Home Indien/ Ambedkar Blog Von Panjanthertee auf ins Chettinad Hospital!
Von Panjanthertee auf ins Chettinad Hospital! Drucken E-Mail
Sonntag, 13. Januar 2008

Mittwoch, 02.01.08  09_01_2008_15_55_31.jpg

 

Gestern abend fragt uns Raj „spontan“ ob nicht ein paar von uns die Patienten aus panjamthertee ins Krankenhaus begleiten wollen. Elli und Alina gewinnen die Tour.

Der nächste Morgen. Ein ….aeeeeeeeehm…wenig zu spaet gehs los. Man passt sich eben der indischen Lebensweise ohne Probleme an. Praktisch ohne Informationen, denn wir stehen noch unter der Dusche, als Raj JoJo zum Erste-Hilfe-Kurs abholt. Schade Schokolade. Spaetestens als wir freundlich den schlafenden Busfahrer (der unglaublicher Weise schon in Panjamthertee wartet) wecken, und feststellen, dass er kein Wort Englisch spricht, wissen wir es geht auf ins Abenteuer. Denn kein Raj in Sicht. Und weit und breit kein ...
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Englisch sprechendes Wesen. Und…nech…unser Tamil = kunjum kunjum. Wir stehen also vor dem Busfahrer, der ganz zweifellos ein netter Typ zu sein scheint, uns aber leider auch nicht sagen kann, wo denn nun die ganzen Leute sind, die mitfahren sollen. Er weiss nur, dass es um zehn Uhr bei im losgeht, und es ist kurz vor zehn. Aber diese Aussage kratzt uns ja mal gar nicht, denn wir wissen aus Erfahrung, dass Zeit hier relativ ist. Und so machen wir uns auf Weg  einen kleinen Jungen einzusammeln, der nicht beim free medical camp erschienen ist, aber ziemlich böse aussehende Pusteln rund um den Mund hat. Aus den Häusern schallt uns als wir erstmal entdeckt sind, vanakam, vanakam entgegen. Henna, unsere Freundin die englisch spricht, ist leider nicht da. Problem. Also versuchen wir mit Haenden, Fuessen und den wenigen Brocken Tamil, bzw. Englisch den Jungen ausfindig zu machen. Mit Erfolg, allerdings wird uns dann erklaert, dass  die Mutter des Kleinen arbeiten muss. Mittwoch um 10 Uhr, uns daemmert, das die Arbeit vielleicht auch der Grund dafür ist, das am Bus auch noch niemand aufgetaucht ist…schlechtes timing…Als wir anbieten den Kleinen, der uns nur aengstlich beaeugt auch so mitzunehmen, bekommt die Mama Angst und entschliesst sich mitzukommen. Aber denkste. Sich schick machen für den Arztbesuch hat höchste Priorität. Und auch wenn wir mit nervoesen Blicken auf die Uhr versuchen, die Gute von ihrem Kamm loszureissen, der nun schon zum x-ten mal durch ihr Haar gezogen wird, und uns, als sie dann noch anfaengt, sich mit Bodylotion einzucremen, kraeftigst beherrschen muessen, freundlich und geduldig zu bleiben, Mama zieht das Beauty Programm bis zum Schluss durch. Als wir dann endlich zum Bus kommen, sitzen dort, oh Wunder, schon Leute drin. Obwohl wir nicht wissen, ob alle nun da sind, geht die Fahrt nun los. Mit einem riesigen Bus geht es über kleine „Strassen“, auf denen auch schon mal Sandberge , Kuehe, Menschen, Autos oder aehnliches zu umschiffen sind, denn das kann teuer werden, eine Kuh =  6000 bis 9000 Rupien. Ab und zu haelt der Bus, Menschen steigen aus und ein. Wir schauen uns nur fragend an und sind der sind der Situation voellig ausgeliefert. Hilfloser Lachkrampf. Nicht Lustig. Immerhin  haben wir noch eine Frau bei uns, die anscheinend wenigstens einen vagen Plan von der Aktion hat, leider aber auch kein Englisch spricht. Am Krankenhaus angekommen, werden unsere 14 Patienten von ihr auf die verschiedenen Stationen verteilt. Wir laufen einfach mit durch den riesigen Trackt, der auch noch mehr eine Baustelle ist als ein hygienisches Krankenhaus. Immerhin muessen unsere Schuhe vor der Annahme der jeweiligen Station warten. Nach der Anmeldung, wo jeder eine Patientenkarte bekommt, warten wir erst mal. Ich gehe mit Rawadi zu der gynokologisches Station und da ich sie mit meinen Lexikon frage, ob sie will das ich mit zum Doktor komme und sie das bejaht, erlebe ich eine eher halbherzige Untersuchung. Sie klagt ueber Bauchschmerzen, die Aerztin sagt ihr, dass sie regelmaessig essen muss und laesst sie von der Assistentin kurz abtasten. Mir erklaert sie, dass sie ihren Sari nicht ausziehen will und für ernsthafte Bauchprobleme zu jung ist? Sie ist 19, unmarried.

Letztlich bekommt sie Tabletten verschrieben.

Nach ein paar Stunden finden sich alle wundersamer Weise wieder in der Eingangshalle ein, alle mit Rezepten fuer irgendwelche Tabletten, das Heilmittel ueberhaupt in Hand. Problem: Wer zahlt die Medikamente? Also telefonieren wir mal wieder mit Raj, der uns dann verspricht die Medikament morgen zu besorgen. Tomorrow…dann aber wirklich!

Als wir dann endlich wieder alle im Bus vereint sitzen und unser Fahrer auch auftaucht, sind wir ziemlich gluecklich, muede und hungrig, wie die anderen wohl auch. In der Hoffnung, dass alle zu Hause was zu essen haben verabschieden wir uns in Panjamthertee mit dem Versprechen morgen mit den Medikamten wiederzukommen.

  

Inzwischen sind wir noch zweimal, von Panjamthertee am 9.1. mit 25 Patienten und von Amoor am 11.1. mit 60 Patienten ins Chettinad Hospital gefahren. Allerdings diesmal mit Raj bzw. Prabhu, sodass wir auch in der Lage waren mit den Leuten zu sprechen. Obwohl alle Fahrten ähnlich chaotisch waren, haben wir doch das Gefühl den Menschen erstmal weitergeholfen zu haben.

Am Montag fahren wir noch mal mit Jennifer, einen 9jährigem Mädchen ins Hospital. Sie war auf unserer zweiten Tour mit dabei gewesen, weil sie seit drei Jahren mit Bauchschmerzen zu kämpfen hat. Durch den Blut und Urintest stellte sich heraus, dass sie Tuberculose positiv ist. Der Arzt möchte sie dann ab Montag für drei Tage durchchecken. Die Unterlagen von alten Artzbesuchen sind verloren gegangen, denn die verwahrte Jennys Vater, der vor zwei Jahren gestorben ist. Hoffenlich kann man ihr weiterhelfen… 

Elli & Alina

 
 
Mittwoch, 19. Juni 2013